Tageszusammenfassung und letzte Meldung von http://redaktion-march25.blogspot.com
Anlässlich des 89. Jahrestages der Gründung der Belarussischen Volksrepublik am 25. März 1918 fand heute in Minsk eine von der demokratischen Oppositionsbewegung veranstaltete Kundgebung statt. Im Vorfeld wurde befürchtet, dass es zu einer gewaltsamen Auflösung durch Polizei und Spezialkräfte kommen könnte, da bereits die Vorbereitungen der Kundgebung massiv behindert wurden. Etwa 50 Aktivisten wurden präventiv festgenommen, der Zugang zum öffentlichen Nahverkehr wurde rund um den Oktoberplatz herum gesperrt und Demonstranten wurden an der Anreise nach Minsk gehindert.
Die ursprünglich beantragte Demonstrationsroute, vom Oktoberplatz zur U-Bahnstation Akademie der Wissenschaften, wurde von der Stadtverwaltung Minsk abgelehnt. Genehmigt wurde eine andere Route, von der Akademie der Wissenschaften zum Bangalor-Platz, wo auch die Kundgebung stattfinden sollte. Dennoch rief die Opposition dazu auf, sich auf dem Oktoberplatz zu versammeln, um von dort durch die zentrale Strasse von Minsk zur Akademie der Wissenschaften zu laufen.
Eine Stunde vor dem angekündigten Beginn der Demonstration wurde der Oktoberplatz von der Polizei mit Barrieren abgesperrt. Da das Betreten des Platzes nicht möglich war, sammelten sich mehrere tausend Demonstranten in Höhe des Zirkusgebäudes und marschierten, angeführt von dem Vorsitzenden des BNF Wincuk Wjaciorka und begleitet von Polizeieinheiten, die den Zugang zur Fahrbahn verhinderten, Richtung Akademie der Wissenschaften. Eine andere große Gruppe, darin auch Alexander Millinkiewitsch, Anatolij Lebedko sowie Botschafter verschiedener europäischer Länder sowie der USA, wurde in Richtung des Unabhängigkeitsplatzes gedrängt. Am Kaufhaus „GUM“ bog die Gruppe Richtung Njamiga ab, um sich den anderen Demonstranten anzuschließen. Nach Angaben von verschiedenen Medien wurde gegen diese Gruppe gewaltsam vorgegangen, unter den Angegriffenen befanden sich auch Alexander Millinkiewitsch und seine Frau. Die Kundgebung wurde gegen 14.00 Uhr Ortszeit von Wincuk Wjatschorka eröffnet.
Es schlossen sich Redebeiträge von Alexander Millinkiewitsch (Führungsfigur der Vereinigten Demokratischen Kräfte), Ales Strelcow (Vertreter der Belarussischen Sozialdemokratischen Partei Hramada), Anatolij Lebedko (Vorsitzender der liberalen Vereinigten Buergerpartei), Janusz Onyszkiewicz (ehemaliger Vizepräsident des Europaparlaments), Nikolaj Ryschkow (Abgeordneter der russischen Staatsduma), Barbara Kudrycka (polnische Abgeordnete des Europaparlaments), Nikita Bielych (Vorsitzender der russischen liberalen Partei SPS), Alexander Wojtowitsch (ehemaliger Präsident der Akademie der Wissenschaften und ehemaliger Vorsitzender des Rates der Republik) und Julia Kazulina (Tochter des inhaftierten Alexander Kazulin) an.
Die Polizei störte die Kundgebung mit Lautsprecherdurchsagen und forderte die ca. 6000 Demonstranten auf, die Kundgebung auf dem Bangalor-Platz abzuhalten. Trotz der Androhung der Auflösung verblieben die Demonstranten vor der Akademie. Um 15.30 wurde die Kundgebung nach einem abschließenden Redebeitrag von Millinkiewitsch von Wincuk Wjatschorka für beendet erklärt.
Einige Oppositionspolitiker verblieben zunächst vor der Akademie, um sich mit den Demonstranten zu unterhalten. Eine Gruppe von ca. 300 Demonstranten setzte sich in Richtung Nationalbibliothek in Bewegung, wo ein von der Stadtverwaltung und dem Belarussischen Republikanischen Jugendverband BRSM organisiertes Konzert unter dem Motto „Für ein unabhängiges Belarus“ stattfand. In der Höhe der U-Bahnstation Park Tscheluskinzew versuchte die Polizei vergeblich, die Gruppe zu blockieren. Vor der Nationalbibliothek mussten die Demonstranten feststellen, dass das Konzert etwa 10 Minuten vor ihrem Eintreffen beendet wurde. Einige Demonstranten wurden nach Auseinandersetzungen mit der Polizei festgenommen.
Während der Kundgebung vor der Akademie der Wissenschaften wurde eine Resolution verabschiedet, in der der Wunsch nach einem konstruktiven Dialog mit der Regierung formuliert wurde. Diese wurde weiterhin dazu aufgefordert, umgehend mit der Umsetzung der zwölf Bedingungen der neuen EU-Strategie gegenüber Belarus zu beginnen. In der Resolution wird schließlich die Wichtigkeit der effizienten Zusammenarbeit mit Europa für eine erfolgreiche Weiterentwicklung des Landes betont.





